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10 Survivaltricks für das Heimspiel mit Kinderbesuch

Wie fast alle Mütter will ich in meiner eigenen Familie einige Dinge besser anders machen als meine Eltern. Zum Beispiel erträume ich mir für meine drei Kinder ein „Haus mit offenen Armen“. Wo es ein fröhliches Hallo und einen Teller Nudeln gibt für jeden Kinderbesuch, der seine Gummistiefel noch in den Flur gequetscht kriegt.

Ein Zuhause, wohin meine Kinder ihre Freunde gerne einladen, die dann auch in Scharen kommen. Dieser Traum fühlt sich toll an, er klingt laut und lustig wie eine Filmkomödie aus Italien – nur was mach ich, wenn die Knirpse dann tatsächlich einfallen wie ein Rudel junger Hunde?
Wie rette ich das Haus, den Tag und meine Nerven?

825545 / Pixabay

Es gibt da nämlich ein kleines Problem: Ich bin gar keine „Mamma“ so wie im Film oder wie in der Miracoliwerbung. Mein Flur ist winzig, ich habe keine Wohnküche und auch keinen stetig blubbernden Pastatopf. Und für das Konzept „ruhender Pol mit Kochschürze“ bin ich komplett ungeeignet.

Ich bin Freiberuflerin, my home is my office…

Tatsächlich mag ich es noch nicht mal, wenn ich meinen eng getakteten Job-3Kinder-Hund-Haushalt-Alltag für Spontanbesuch umplanen muss. Und ich hasse es, wenn dieser Besuch dann seine Jako-O-Jacke auf den Boden pfeffert und meine heiligen Hallen verwüstet. Schließlich bin ich Freiberuflerin und nutze mein Heim auch als Büro. Hey, ich ARBEITE hier, verdammt!

Lautes Scheppern zwischen Traum und Wirklichkeit

Um dieses Missverhältnis zwischen Anspruch und Realität irgendwie zu überbrücken, habe ich in den vergangenen sechs Jahren – also seitdem diverse Kinder durch unser Haus toben und Türen knallen – einiges an Bewältigungsstrategien und mentalem Training ausprobiert.

Man könnte auch sagen, das Thema trage ich schon ziemlich lange mir herum, vielleicht noch länger als die pinke Glitzerhaarspange in meiner Hosentasche.

Die ‘Kinder der Anderen’? Netter Titel, aber werdet konkret!

Als die ELTERN-Family-Redaktion dann ‘Die Kinder der Anderen“ zum Titelthema ihres Januar-Heftes kürte, dachte ich: Schreib was dazu. Denn der Hauptartikel geht das Thema generell zwar gut an, aber er hält sich mit konkreten Tipps zurück. Auch online habe ich zu dem Thema nicht viel gefunden (falls ich etwas übersehen habe, bitte schickt mir die Links, ich baue sie ein!), außer ein paar Forendiskussionen, zB hier und hier.

Man könnte das Thema doch mal sauber zusammenfassen, ganz pragmatisch, ohne generisches Blabla über gemeinsame Werte, soziales Miteinander etc. – so als eine Art Checkliste halt. Genau das hab ich für euch gemacht, hier kommen meine 10 Tricks, wenn die Kinder der Anderen kommen:

TRICK 1: Es ist ein Heimspiel, hier gelten die Regeln der Gastgeber

Eine klare Haltung schafft entspannte Verhältnisse. Wer zu Besuch kommt, hält sich an die Regeln des Hauses. Diese werden dem Besuch bei Bedarf in der Situation freundlich erklärt.

Für das Heimspiel mit dem Kinderbesuch werden die Alltagsregeln, ähnlich wie bei Feiertagen, auch mal leicht gelockert. Aber nur, wenn die Stimmung gut ist und alle, auch anwesende Eltern, Spaß haben. Und wer gravierend und mehrfach gegen die Regeln verstößt, wird vorzeitig abgeholt.

Das klingt in der Theorie so einfach, oder? Lasst es uns trotzdem versuchen.

TRICK 2: Fast immer eine TOP-Idee: Rausgehen!

Wann immer es Umgebung und Wetter zulassen, können die Kinder draußen spielen. Mit den Kleinen geht’s auf den Spielplatz oder in den Garten, die Größeren kann man zum Spielen auch ohne Daueraufsicht vor die Tür schicken.

Ich bin ein Fan von Andreas Weber, ich glaube an „Mehr Matsch“, ihr bekommt von mir hier also keinen originelleren Tipp als: Bringt sie an die frische Luft!

Falls ihr noch mehr Motivationshilfen fürs Rausgehen sucht, schaut ruhig hier nach oder lest das Buch hier, es hilft einem dabei, auch an Regentagen den Hintern hochzubekommen und die Mannschaft raus zu treiben. Draußen spielen schont außerdem euer Zuhause und ist auch für die Kinder viel lustiger, denn: Da fliegen die Helikopter nicht so tief.

FeeLoona / Pixabay
FeeLoona / Pixabay

TRICK 3: Kein Heimspiel mit Kindern, die nur mit Mama kommen

Fallt jetzt über mich her, aber einer der einfachsten Tricks, um sich Stress mit „play dates“ zu ersparen ist der, damit erst so spät wie möglich zu beginnen!

Idealerweise dann, wenn der Besuch schon ohne elterliche Begleitung zur Spielverabredung kommen kann. Denn sonst habt vor allem ihr selbst eine Verabredung, nicht nur euer Kind.

Ihr müsst die Begleitung des Besuchskinds bespaßen, Smalltalk machen, zuhören, was anbieten und Zeit investieren. Zeit, die ihr sonst für Wichtigeres oder Angenehmeres nutzen könntet. Ihr wisst, was ich meine? Dann gebt es zu: es ist ein Krampf!

Natürlich gibt es Ausnahmen: Wenn ihr mit der Mutter des Besuchskinds befreundet seid, ist das natürlich eine andere Situation. Dann ist das quasi ein Doppeldate.

Stellt Euch im Zweifelsfall die Frage: Würde ich mit der Begleitung dieses Besuchskinds ebenso gerne hier Kaffee trinken, wenn die Kinder gar nicht da wären?

Lautet die Antwort nein, überlegt genau, ob Euch das Treffen aus anderen Gründen die grob drei Stunden Lebenszeit wert ist, die es Euch kosten wird.

TRICK 4: Kinder LIEBEN ES, ETWAS ZU TUN – geben wir es Ihnen.

Wann immer meine drei Kinder anfangen, friedlich und vereint richtig schlimmen Mist zu bauen, dann geht dem eine Phase voraus, in denen ihr kreativer Geist unterbeschäftigt war und sich selbst überlassen wurde.

Sicher würde ich es nicht wagen, meine ganz private Beobachtung auf alle anderen Kinder zu übertragen, aber vielleicht bemerkt ihr ja bei eurem eigenen Nachwuchs Ähnliches? Habt ihr dann vielleicht auch schon die beste Prophylaxe gegen Bockmist entdeckt?

Es ist eine Aufgabe. Ein Ziel. Ein Projekt.

Zur attraktiven Aufgabe kann aus Kindersicht alles Mögliche werden: Ein Budenbau aus Decken im Kinderzimmer zum Beispiel. Oder Geheimbotschaften mit Straßenkreide in den Innenhof kritzeln. Oder ein Blumentopf-Terrarium für die gefundene Nacktschnecke aus dem Garten. Bei Kleinkindern reicht manchmal sogar der Teddy, der notoperiert, verpflastert und intensivbetreut werden muss – als smarte Eltern könnt ihr sicher die entsprechende Idee aus der jeweiligen Situation generieren.

Achtung: Damit die Eigeninitiative der Kindergruppe keinen Schaden nimmt (und damit eure Chance auf eine Kaffeepause) ist es entscheidend, dass ihr euch sofort zurückzieht, sobald eure Idee auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Denn ihr seid Eltern, keine Animateure.

Also: Gebt den Impuls, stoßt das Projekt an und rückt dann schnell und unauffällig aus der Führungsrolle zurück in den wohlwollend lächelnden Hintergrund.

TRICK 5: Pfeift auf Konventionen und lasst friedlich spielende Kinder in Ruhe!

Eigentlich eine Binsenweisheit, aber vielleicht denken ja manche, wenn Besuchskinder kommen, muss man mehr machen von wegen Gastfreundschaft und so.

Nein, die Maxime aller entspannten Eltern gilt natürlich auch bei Kinderbesuch:

Stört NIE NIE NIE eine Kindergruppe, die gerade friedlich spielt

…oder die ein (halbwegs harmloses) Projekt laufen hat. Nein, auch nicht, wenn „man doch mal was anbieten sollte“ oder „die ja noch gar nichts getrunken haben“. NIE heisst NIE.

Also trinkt das Gastgetränk selbst und freut euch über einen raren Moment voller Ruhe und Frieden.

Pezibear / Pixabay
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TRICK 6: Mannschaftsspieler als Gäste fördern

Schon klar, eure Kinder suchen sich ihre Freunde selbst aus. Aber wenn ihr mal das Glück hattet, einen echten Teamplayer bei euch zu begrüßen – ein Kind, so umgänglich, sozial kompetent, robust und lustig, dass kaum zu spüren ist, dass da noch einer mehr herumturnt – dann habt ihr diesem Wunderzwerg sicher auch ein herzliches: „Junge, komm bald wieder!“ nachgerufen, oder? Und das ist ok.

Klar profitieren unsere Kinder von einer gewissen, ähm, Bandbreite der Erziehungsstile und Lebensentwürfe. Vielfalt ist  ja oft auch was ganz Tolles. Aber müssen wir deshalb bei Spielnachmittagen ständig Extremsport mit unseren Toleranzgrenzen betreiben? Na bitte.

TRICK 8: Wochenmaximum definieren, feste Zeiten vereinbaren & die Uhr im Blick behalten

Für unsere Familie sind pro Woche zwei Spielverabredungen bei uns Zuhause das Maximum (gilt für alle Kinder in Summe, wer woanders spielen geht, kann sich noch mehr verabreden). Was für Euch passt, wisst ihr natürlich selbst am besten. Aber es hilft den Kindern schon, wenn sie ungefähr wissen, was geht und was zu viel wird.

Im Kita- und Vorschulalter finden die meisten Spielverabredungen zwischen 15 und 18 Uhr statt. Vereinbart das vorher klipp und klar, informiert auch die Kinder rechtzeitig vorher („Deine Mami kommt in 10 Minuten, also steigt so langsam wieder aus den Karnevalskostümen“), das reduziert den Stress deutlich.

Wenn ihr dann noch einen kleinen Zeitpuffer einbaut für Gespräche beim Abholen und das unvermeidbare Palaver mit der Kindergruppe, die nicht aufhören will zu spielen – dann hat so ein Kinderbesuch ein Ende, welches ihr selbst bestimmt.

Extra-Tipp für kleine Gäste, die sich kaum von eurem Zuhause losreissen können: Eskortiert die scheidenden Gäste samt Kinderschar bis zum Gartentor, zur nächsten Strassenecke, bis runter in den Hof oder bis zu sonst einem sinnvollen Punkt. Größere Kinder schickt ihr dieses kurze Stück einfach mit. Klappt fast immer.

TRICK 9: Kein Erziehungsehrgeiz beim Essen

Erleichtert euch das Leben und haltet euch an klassische Kindersnacks: Äpfel, Bananen, Salzstangen, bei uns zuhause gerne auch mal ein paar Gummibärchen. Wenn es warm sein soll, kommen Pfannkuchen, Würstchen oder Nudeln (ja, auch „mit nix“) bei fast allen Kindern gut an.

Spart euch Experimente mit Gemüse oder anderweitig besonders „gesundes“ Essen. Das kostet nur Nerven. Den harten Erziehungsalltag an der Vitaminfront gebt euch nur an Tagen ohne Besuch.

PremierCompanies / Pixabay
PremierCompanies / Pixabay

TRICK 10: Bei Streit: Möglichst neutral bleiben und als letztes Mittel trennen

Hütet Euch vor starken Emotionen bei Streit unter den Kindern. Bleibt so weit es geht neutral, trennt die Streithähne wenn möglich eine Zeit lang und wenn das alles nichts bringt (oder wenn Blut fließt und das Ganze komplett eskaliert), dann beendet den Besuch, indem Ihr das Besuchskind abholen lasst.

Bleibt dabei möglichst ruhig und besonnen – Krach und Ärger gehören zum Leben und die Kinder achten genau darauf, wie cool ihr als soziale Vorbilder diese Situation meistert.

Kein Trick, sondern Kunst: Werdet zum Möbelstück!

Jetzt kommt die hohe Kunst: Wenn ihr das schafft, dann habt ihr entweder Anfängerglück oder seid versierte Elternprofis. Manchmal bekomme ich es schon hin: In der Ecke hocken, den spielenden Kindern zusehen, lächeln, nicken – und dann einfach vergessen werden.

Ich werde so unsichtbar wie ein Küchenstuhl und träume vor mich hin, während vier oder fünf Kinder um mich herumwuseln. Irgendwann stehe ich leise auf, verdrücke mich in die Küche und mache mir einen Kaffee. Und dann? Gibt es stilles, heimliches Glück.

Wie bei allem, was ich aus meiner Trickkiste als Heimspielerin teile, gilt auch für diese Liste: Das alles kann klappen, muss aber nicht. Und entscheidet selbst, was für Euch passt und was nicht, schließlich ist jeder Jeck anders, wie man hier im Rheinland sagt.

Weil Besuchskinder aber auch viel Spaß und frischen Wind in den Familienalltag bringen, habe ich neben möglichen Stressfaktoren auch einmal die Vorteile notiert. Hier: “Warum ich Besuchskinder trotz allem so mag – 3 gute Gründe” (Kinderbesuch Teil 2).

Habt ihr Ideen oder Anregungen dazu? Oder Fehlt euch etwas in der Liste? Dann kommentiert hier unten oder schreibt mir einfach!

Besuchskinder
Lasst die Horden zu mir kommen!

(“Nochmaal!” rufen meine Kinder, wenn Ihnen etwas besonders gut gefällt. Meist habe ich das Lied oder die Geschichte dann schon Zigtrillionen Mal gebracht. :-)
Keine Sorge, hier im Blog werd’ ich nicht so redundant, aber der Artikel hier oben stammt aus meinem Archiv. Erstens, weil ich ihn nach wie vor für hilfreich halte. Und zweitens, weil ihn nur Wenige entdecken konnten – er war einer der Ersten auf heimspielbonn.de.)

4 Comments

  1. Sehr schön und unterhaltsam geschrieben!
    Viele Grüße!
    Jenny – 4fach-Mutter und aus Selbstschutzzwecken mit all diesen Tipps vertraut sowie mit der Illusion des “Hauses mit offenen Armen!” :-)

    • Aaahh, es ist eine Illusion? So eine wie “spätestens wenn sie eingeschult sind, werd ich wieder ungestört duschen können”? Mist, ich ahnte es. :-)

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