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7-Schritte-Plan: Von der Helikoptermutter zur lässigen Mama

Ist schon gruselig, wenn man merkt, dass man genau zu der Sorte Mutter geworden ist, die man früher belächelt hat. Doch wie können wir aufhören, als Helikoptereltern über unseren Kindern zu kreisen?
Letzte Woche las ich einen Gastbeitrag bei „stadtlandmama“, wo sich die Autorin als Helikopter-Mama outet. Sie beschreibt ihre starken Ängste ums Kind und auch den Frust, den sie als „Glucke wider Willen“ hat. Denn sie will wirklich loslassen, traut sich aber nicht.

Dieses Gefühl, diese irrationale Panik kennt wohl jeder, der ein Kind hat. Ich auch (siehe auch mein Nachtrag dazu ganz unten). Ein Stück weit ist es auch absolut normal, dass Eltern sich um ihr Kind sorgen. Aber werden wir nicht zunehmend paranoid in unserer Angst um unseren Nachwuchs?

“Helicopter Parenting” hat nur Nachteile

Geht es dir auch so? Sagst du dir auch manchmal, Mist, dieses ständige Sorgen und Überwachen hat eigentlich nur Nachteile: Es ist schrecklich anstrengend, es sorgt dafür, dass ich mich manchmal wie ein unsozialer Egoist verhalte und vor allem: es schadet meinem Kind. Wie springst du also vom Sorgenkarrusell und wirst eine Mama mit Mumm?

Endlich wieder ausatmen – so geht’s:

Wenn du dich entschieden hast, dass du loslassen und deinem Kind mehr Selbstständigkeit zutrauen willst, dann probiere mal diesen 7-Schritte-Plan zum lässiger werden.

Schritt 1: Wechsle die Denkrichtung
Gedanken verändern die Welt. Ein neues Bewußtsein ist der erste Schritt auf deinem Weg, dich anders zu verhalten. Mach dir bewußt, welche Vorteile dein Kind hat, wenn es sich in dieser Welt von Anfang an ausprobieren und an ihr wachsen kann.

Erkenne, dass das Suchen und Finden riskanter Situationen zum „Programm“ jedes Kindes gehört, lies Bücher zum Thema, lies auch sonst alles, was du dazu in die Finger bekommst und schaffe dir eine Basis aus stärkenden Erkenntnissen und inspirierenden Gedanken, die dich in “schwachen Momenten“ auffangen können.

Schritt 2: Benenne deine Ziele
Was heißt überhaupt „lockerer werden“? Lockerer als wer? Schaff dir Vergleichsgrößen, an denen du dich ausrichten kannst. Höre dich in deinem Umfeld um, wie es andere Familien halten – besonders die, deren Mitglieder meist ziemlich entspannt und fröhlich aussehen.

Frag erfahrene Praktiker und Fachleute (den Kinderarzt, die altgediente Erzieherin, die Eltern der letzten Großfamilie in deinem Umfeld), was sie einem Kind in welchem Alter zutrauen würden. Erinnere dich, welche Freiheit du selbst als Kind hattest und welche “Erziehungstodsünden” alle 1970er oder 1980er Jahrgänge überlebt haben.

Überlege dann, in welchen Bereichen oder Situationen dein Kind viel weniger darf/muss/kann als angemessen wäre, wo eine Lücke klafft zwischen der Eigenständigkeit der anderen und der deines Kindes. Diese Lücke zu schließen, das ist dein Ziel.

Schritt 3: Beginne mit kleinen Schritten
Geh es langsam an und vor allem: fang klein an. Zum Beispiel: Stell’ dir einen Wecker und schau zuerst eine (ja, echt jetzt), dann zwei, zum Schluss fünf Minuten nicht in den Garten, während dein Kind dort spielt.

Oder: Erarbeite mit deinem Kind den Schulweg, ziehe dich dann Straßenecke für Straßenecke zurück, bis es den Weg alleine gehen kann. Oder: Lass dein Kind in einem Busch herumkraxeln, dann erst auf einen kleinen Baum klettern. Und dann? Auf einen größeren! Die Reife und Persönlichkeit deines Kindes kennst du am besten, also pass’ deinen Stufenplan an eure spezielle Situation an – aber das Prinzip ist klar, oder?

Geh raus aus deiner Komfortzone, aber bleibe im Bereich einer leichten Panikattacke. Und wenn so eine “Mutprobe” dann mehrfach erfolgreich geklappt hat – dann gehst du ein Stückchen weiter.

Wichtig dabei auch: Schreib deine Ziele auf, damit bekommen sie Gewicht. Ja, schreib eine ToDo-Liste. 😛

Schritt 4: Kontrolliere den Horror
Wer seine Ängste und Zwänge bekämpft, darf damit rechnen, dass die sich wehren.
Wenn dich die aufsteigende Panik packt und Worst-Case-Szenarien durch dein Hirn rasen, dann musst du genau wissen, was du zur Beruhigung tun kannst: Eine eingeweihte Vertrauensperson anrufen? Gutelaune-Musik aufdrehen? Tief Durchatmen und bis 10 zählen? An die frische Luft gehen? Teste, welche Anti-Horror-Taktik bei Dir funktioniert.

Schritt 5: Finde Vorbilder und Mitstreiter
Zusammen ist man weniger allein, heißt es. Das gilt auch fürs Mutigsein-Training. Wenn in deinem Umfeld eine Mutter besonders souverän mit den Thema „Sorge ums Kind“ umzugehen scheint, dann sprich sie einfach einmal direkt darauf an.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sie dir sagen, dass auch ihr als Mutter ab und an die Muffe geht. Aber ihr Vertrauen in die Kraft ihres Kindes trotz aller Sorge wird dich inspirieren und dir dabei helfen, mutiger zu werden.

Bilde einen Clan mit Eltern, die es ebenfalls satt haben, ihren Kindern das Leben glatt zu curlen und die ihnen stattdessen etwas zutrauen. Sowas steckt an.

Schritt 6: Rechne mit Rückschlägen und bleib dran
Irgendwas wird schiefgehen. Dein Kind bekommt Angst, du bekommst Angst. Vielleicht passiert sogar etwas (die Wahrscheinlichkeit ist verschwindend gering, aber ja, zum Leben gehört Risiko und Murphy und sein Gesetz sind hinterhältig).

Rechne damit. Rechne mit Rückschlägen. Rechne mit schwierigen Momenten. Mit Momenten, wo du dich fragst, ob es nicht doch besser wäre, dem Kind mehr Aufsicht, mehr Hausaufgaben-Betreuung, mehr An-die-Hand-Nehmen, mehr Stoppersocken zu verordnen. Und dann erinnere dich an dein Ziel.

Schritt 7: Belohne dich und dein Kind für jeden Erfolg
Du hast es gewagt? Du bist den ersten Schritt auf dem Weg zu deinem Ziel gegangen und es hat geklappt? Dann belohne dich – und dein Kind gleich mit.

Ängste besiegen ist Schwerstarbeit, deshalb: Bevor ihr die nächste Hürde nehmt, feiert das Erreichte. Und dann geht ihr weiter, Schritt für Schritt.

Das Ziel: Mehr Lebendigkeit wagen! 
Du willst kluge, wache, selbstbewusste Kinder? Kinder, die Verantwortung übernehmen und das Leben mutig angehen? Kinder mit Vertrauen in sich und die Welt? Dann musst du ihnen genau dieses Zutrauen vorleben. Dieser 7-Schritte-Plan unterstützt dich dabei.

Noch ein Gedanke zur Schluss: Es gibt ein recht simples Mittel, wie du mit deinen Gedanken (und auch Sorgen) weniger um dein Kind kreist, vielleicht probierst Du es einmal aus. Es nennt sich “erfülltes Leben”.

Erlaube dir Sehnsüchte, Freuden und Ambitionen jenseits der Kinder und fülle dein eigenes Leben. Es tut gut zu erkennen: Ja, ich bin gerne, sehr gerne Mutter! Aber darüber hinaus bin ich auch noch Mensch, Frau, Bürgerin – und dazu womöglich noch Freundin, Tochter, Partnerin, Geliebte, Kollegin, Sportlerin und Kreative.

Also: Trau nicht nur deinem Kind, sondern auch dir selbst mehr Leben zu.

Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen! Schreib’ mir einfach oder poste einen Kommentar dazu.


NACHTRAG (3 Wochen später):
Hier noch eine aktuelle Leseempfehlung zum Thema: Im Blog “Mutterseelesonnig” findet Ihr einen tollen Text über die Angst, die auch “lässige” Mütter nie verlässt.


 

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