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Warum ich Besuchskinder trotz allem so mag: 3 gute Gründe

Wenn Kinderbesuch kommt, herrscht bei uns oft Ausnahmezustand: Drei eigene Kinder plus mindestens ein Gast turnen dann durch die Zimmer, toben, kichern, johlen, zanken, schmollen und als anwesender Erwachener wünscht man sich binnen Minuten a) eine Trillerpfeife und b) Buddhas erleuchtete Gelassenheit.

Warum Besuchskinder trotzdem toll sind?

Erstens: Ich habe als geübte Heimspielerin ein paar Tricks auf Lager, mit denen ich die Situation entschärfen kann bzw. Stress schon im Vorfeld vermeide. Diese “10 Survivaltricks für das Heimspiel mit Kinderbesuch” habe ich im ersten Teil dieser Miniserie zum Thema schon beschrieben.

Zweitens: Wenn so eine Kindergruppe durch mein Heim marodiert, sehe ich nicht nur die Nachteile, sondern auch die Vorteile der Situation. Hier die „PROs & CONs“ zum Thema mal ganz praktisch für unsere Familie zusammengefasst:

3 x CONTRA

1. Besuchskinder stiften Unruhe & lockern die Sitten

Besuch ist für die Kinder immer eine spannende Abwechslung vom häuslichen Einerlei. Alles, was sonst „laaaangweilig“ ist, muss dann besichtigt, bekakelt und präsentiert werden. In Fortissimo!

Und dann muss man sich ja auch noch selbst von seiner besten, sprich verwegensten Seite zeigen. Wer auf Mama oder Papa hört, gilt anscheinend schon im Kindergartenalter als Streber-Weichei. Also, meine Kinder drehen immer auf, wenn einer kommt und zuguckt.

2. Besuchskinder sind die besten Zankäpfel 

Drei ansonsten herzallerliebste Kinder werden bei uns zu Berserkern, wenn uns ein bestimmtes Kind besucht. Dieses Kind wird von beiden Töchtern und dem Söhnchen mit „mein….“ benannt und als persönlicher Besitz angesehen.

Ähnlich anstrengend wird es, wenn eines der Kinder einen eher exklusiven Gast begrüßt. Dann werden die Geschwister oft gnadenlos ausgegrenzt und denen muss dann ein Alternativprogramm geboten werden, dass attraktiv genug ist, aber keinen Neid erregt (ja genau, macht das mal!) oder ich muss permanent schlichten, verhandeln, deeskalieren und vermitteln, als wär ich ein UN-Sonderbotschafter. Ohne dessen Gehalt.

3. Besuchskinder erhöhen den Sicherheitsaufwand & Verantwortungsdruck

Was ich meinen Kindern zutraue, weiß ich ganz gut. Ich lasse sie auch eher an der langen Leine (wir wohnen in einer verschlafenen Kleinstadt), sie dürfen mit jetzt sechs, fünf und drei Jahren auf dem Bürgersteig vor der Haustür spielen, auf alle möglichen Bäume klettern und zusammen im benachbarten Kurpark herumstreunen.

Sobald wir Besuch bekommen, ist es allerdings in den meisten Fällen vorbei mit der Bullerbü-Freiheit. Denn ich muss den Sicherheitslevel an das Besuchskind anpassen, schließlich trage ich die Verantwortung. Und wenn das Besuchskind dann (oft der Fall) tendenziell „ängstlichere“ Eltern hat, muss ich dem Rechnung tragen und mehr aufpassen, nachgucken, verbieten etc.

Das wiederum führt zu Diskussionen mit meinen eigenen Kindern, die nicht einsehen wollen, warum jetzt „gar nichts mehr erlaubt“ ist. Entspannt ist also anders. Doch genug gemeckert, jetzt kommt…

3 x PRO

1. Besuchskinder sind wertvolle Spielpartner 

Den größten Vorteil, nämlich zuhause jemanden zum Spielen zu haben und soziale Kompetenz zu üben, setze ich hier ganz an den Anfang. Kinder brauchen Kinder! Es ist der älteste Spruch, aber er stimmt.

Sicher sind wir spielpartnertechnisch nicht in Not. Unsere Kinder haben Geschwister im geringen Altersabstand und können jederzeit miteinander spielen, was sie auch ausgiebig tun. Außerdem gibt es ja noch die Kita. Trotzdem freuen sich z.B. nach den Ferien immer alle, wenn sie auch mal wieder andere Kinder als die Geschwister zum Spielen treffen können.

2. Besuchskinder mischen die (Geschwister)-Rollen auf

Siehe Contra 2: Genauso, wie die Besuchssituation zu unschönen Szenen zwischen den Geschwistern führen kann, kann sie auch die übliche Rollenverteilung aufbrechen und ganz neue Chancen eröffnen:

Wenn unsere mittlere Tochter Besuch bekommt, ist sie auf einmal die Gastgeberin, was ihr Selbstbewußtsein der Ältesten gegenüber stärkt.

Und wenn uns ein Junge besucht, freut sich unser Jüngster über männliche Unterstützung und löst sich leichter aus der bequemen Rolle des „Babys“, das von seinen großen Schwestern verhätschelt wird.

3. Besuchskinder bringen frischen Wind in die Familienkultur

Niemand kann einem besser den Spiegel vorhalten als kleine Besuchsgäste mit Wackelzähnen. „Wieso tut ihr DIES? Warum macht ihr das SO? Also bei uns würden wir nie JENES…“

Wenn so ein Kind öfters zum Spielen da war und mit uns richtig „warm“ geworden ist, dann kommt es oft zu Situationen, wo alle Beteiligten was zu lachen bekommen und voneinander lernen. Vielfalt belebt – und Kinder sind beim Aushalten von Unterschieden viel lockerer als Erwachsene.

Meist entspinnen sich dann auch ziemlich lustige Gespräche und manchmal bekommt man sogar herzige Komplimente, wie das, was ich von einer Freundin meiner Ältesten bekam: „Wie cool, Deine Mutter ist so schön unordentlich.“

FAZIT

Meinen Traum vom „Haus mit offenen Armen“ muss ich vielleicht doch nicht aufgeben. Vielleicht reicht es, wenn ich einfach ein paar Jahre abwarte, durchhalte, noch etwas abgebrühter erfahrener werde im Alltag mit Kindern und ihren vielen Freunden. Und einen großen Pastatopf kaufe ich mir einfach jetzt schon.
Also, ich bin bereit. Lasst die Horden zu mir kommen!

Was ist Eure Meinung zum Thema Besuchskinder? Habt Ihr noch Tipps für mich? Dann schreibt mir oder postet hier unten einen Kommentar.

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