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Checkliste: Was muss ein TOP-Familienessen können?

Wenig Zeit, viele am Tisch – das ist bei uns seit Jahren Alltag. Und obwohl ich grundsätzlich genauso gerne koche wie esse, habe ich weder Lust noch Zeit, unter der Woche lang in der Küche zu stehen.

Wenn wir also mal ein neues Rezept testen, dann gehe ich im Stillen folgenden Fragenkatalog durch, ehe ich das Gericht in unsere kulinarische “Rotation” aufnehme. (Neueinsteiger müssen bei mir mind. 5 von 10 JA-Antworten schaffen, damit ich überhaupt den Herd anwerfe.)

CHECKLISTE FAMILIENESSEN

1. Ist das Gericht mehrheitsfähig?
Mögen 3/5 der Familie das, was dann auf dem Teller ist? Für Kinder kochen ist sowieso ein Job, der einem oft absurd sinnlos erscheint. Daher werde ich nur aktiv, wenn ich sicher bin, dass nicht mehr als zwei unserer fünf Familienmitglieder das Essen boykottieren.
Und: Mit Selleriebratlingen und Vollkornnudeln wurde ich selbst als Kind genug gequält. Crazy Experimente erspare ich meiner Familie also aus Überzeugung – und hebe sie mir für Kochabende unter Erwachsenen auf. 😉

2. Lässt es sich einfrieren?
Sein Name klingt nach 50er-Jahre-Mief, doch er rettet uns regelmäßig unser lässiges 2016er-Alltagsleben: Der liebe, gute, alte Tiefkühlschrank. (ja, auf jeden Fall Schrank statt Truhe, wegen besserem Überblick).
Nach einem stressigen Tag gibt es keinen schöneren Trost, als ein Ossobuco aus dem TK. Das Fleisch taut im Topf langsam auf, während man ein Tütchen Reisbeilage kocht, die Gremolata hackt und sich schon mal ein Glas Rotwein einschenkt. Großartig!

3. Ist das Rezept skalierbar?
Noch so ein Mütter-Mantra: Vorkochen. Ich mache Pastasaucen und Schmorgerichte meist in der Größenordnung 12-14 Personen und habe dann dank TK & Co. für mindestens drei Mahlzeiten Ruhe. Kochen in größeren Töpfen ist auch viel befriedigender – und spart Geld. Hier ein Gulasch der Größe…

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4. Kann ich Reste recyceln?
Ein klassisches Beispiel wäre Bolognese-Sauce. Ich mache sie ziemlich tomatenlastig und falls mal nur ein kleiner Rest übrigbleibt, dann wird der am nächsten Tag unter Reis gemischt und in rote Gemüsepaprika gefüllt. Das Ganze im Ofen überbacken, Parmesan drauf. Voilá!

5. Kann ich es pürieren oder pimpen?
Will heißen: Lässt sich das Rezept auf verschiedene Altersklassen (Baby, Schulkind, Erwachsener) anpassen? Einen größeren Teil der vergangenen 7 Jahre hatten wir auch ein Baby oder Kleinkind mit am Esstisch sitzen. Gerichte, bei denen man Teile (Buttermöhrchen, Kartoffeln, Broccoli etc.) einfach etwas kleindrücken und dem kleinen Essanfänger ohne Mehraufwand anbieten kann, kamen da besonders gut an.

Zudem wird es für uns Eltern mit jedem zusätzlichen Jahr “Familienphase” immer mühsamer, ausschließlich Essen zu uns zu nehmen, das primär für Kinder gewürzt wurde (Iiiih, PFEFFER!!). Ein richtig gutes Familienrezept lässt sich also sowohl pürieren (zB Kartoffelstampf) als auch pimpen (dann Chili-Slices, Croutons und Koriandergrün drauf für die Großen).

6. Hat es einen Zusatznutzen, zB als Hausmedizin?
Ist ein Schultag richtig blöd gewesen – mit Schneeregen, Zoff in der Pause und Mathetest? Mamas Hühnersuppe wärmt verfrorene Körper und Seelen.
Muss der Kleine nach überstandener Magendarmgrippe noch Schonkost essen? Dann nehm’ ich die Brühe von der Hühnersuppe und rühre sie unter Reis.
Steckt einem von uns eine Erkältung in den Knochen? Hol’ ich die Hühnersuppe aus dem TK.

Es gibt Gerichte, die schmecken nicht nur, sondern wirken wie Medizin (Amerikaner machen aus diesem simplen Fakt Selfhelp-Bestseller). Die Küche von Dr. Mama wird dann zur Apotheke. Ein Klassiker dieser Art (sicher nicht nur bei uns) ist DIESE selbst gemachte Hühnersuppe….

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7. Vertragen das auch alle?

Wir haben in der Familie kaum Allergien und fast alle einen stählernen Magen, diese Frage steht also bei uns eher im Hintergrund. Aber dort ist sie natürlich präsent.

8. Ist das Gericht zeitlich flexibel tischfertig?
Kennt das einer? Bei uns ist das so: Kaum ist das Essen fertig, rennen auf einmal alle weg. Weil…
a) nochmal “ganz kurz” zur Toilette,
b) grad noch “schnell was holen” (WAS zum Henker???!),
c) noch “mal eben” der Chef anruft, der was “kurzfristig abstimmen” muss. (*hmpf*)

Ich reagiere auf diese Standardsituation mittlerweile so: Entweder rufe ich mindestens 15 Minuten, BEVOR das Essen fertig ist, zu Tisch.

Oder ich mache von vornherein Gerichte, die brav im Ofen auf ihren Auftritt warten oder gerne auch mal länger “lieblich in der Pfanne schmurgeln” (Danke, W. Busch :-). Sowas wie unser heißgeliebtes “Basilikum-Hähnchen” hier…

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9. Können die Kinder beim Kochen helfen?
Meine Kinder sollen kochen können. Deshalb werden sie von mir und meinem Mann auch bei der Zubereitung der Mahlzeiten mit einbezogen. Es gibt natürlich Gerichte, da beschert einem die “Hilfe” der Kinder nur graue Haare und/oder eine komplett versaute Küche. Diese Rezepte würde ich immer ohne Kinder machen.

Bei unseren Lieblings-Familiengerichten wie “Möhrengemüse mit Spiegelei”, “Käsespätzle”, “Spaghetti Bolognese” oder “Lauwarmer Kartoffelsalat mit Würstchen” gibt’s aber auch für die Kinder neben Tischdecken und anderen typischen Hiwi-Jobs durchaus spannende Sachen zu tun (Salat schnippeln mit scharfem Messer, Spiegelei aufschlagen und selbst braten, Knoblauch in die Pastasauce pressen, Würstchen braten).

10. Ist das Rezept simpel genug?
Wenn ich für ein einziges Gericht ein halbes Dutzend “Zulieferer” abklappern müsste, könnte ich weder Blogposts, noch Print-Artikel und erst recht keine Bücher schreiben.

Wenn ich außerdem 1001 Zutat in meinem eh’ schon aus allen Nähten platzenden Haushalt auch noch richtig verwahren müsste, würde ich wahnsinnig.

Eines Tages fände man mich dann vermutlich  hysterisch lachend irgendwo im Keller, begraben unter abgelaufenen, halbverbrauchten Lebensmittelverpackungen. Keine schöne Vorstellung, oder?

Daher achte ich auf Effizienz beim Einkauf. Komplizierte Rezepte werden bei mir nach Möglichkeit vereinfacht, “Exoten” wie Fenchelsamen, Butterschmalz, Couscous oder Sesamöl gibt es kaum. Dafür könnte ich aus unseren 12-15 Standardzutaten (Basilikum zB gehört dazu) vermutlich fast jeden Tag des Jahres was Neues zaubern.

Das ist also meine Checkliste. Jetzt ihr! Habe ich was vergessen?
Braucht einer ein Rezept oder will einen Tipp für ein Familienessen beisteuern? Gerne! Schreibt mir oder kommentiert hier unten – dann haben alle etwas davon.
 

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