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Große Events mit kleinen Leuten: #Hochzeit

Ein Drama in vier Akten

Neulich also Hochzeit von Freunden auf Mallorca. Ein fettes Ding, auf das wir uns schon lange gefreut hatten.
4 Tage, 3 “Locations“, 50 geladene Gäste, meist aus Deutschland – ein Teil der anwesenden Eltern ließ die Kinder zuhause (darunter “WIR”), ein Teil brachte sie mit (“DIE ANDEREN”).

Weil ich unbekindert unterwegs war, blieb mir viel Zeit zu schauen und nachzudenken – über Familien, über den Alltag als Mutter und wie sich das Leben durch die Kinder verändert. Herausgekommen ist eine Art Drama in vier Akten.

Doch eins vorweg, das ist mir wichtig: “Wir” könnten in einer anderen Situation auch “die Anderen” sein! Denn so ein Alltag mit Kind ist mal Himmel, mal Hölle, oft beides gleichzeitig – und davon können alle Eltern ein Lied singen.

Wir haben sogar auch schon mit unseren drei Kindern (und Hund) Feste gefeiert und hatten Spaß. Aber diesmal waren wir Eltern allein dabei. Und? War gut so. 😉


Ouvertüre – die Anreise

Die Anderen: Sie kommen aus Singapur, aus Hamburg und Bergisch-Gladbach. Sie geben am Check-in vier Riesenkoffer auf, packen Buggy, Spielzeug, LSF-50-Creme und Fieberzäpfchen ein. Sie ruinieren ihre Haushaltskasse und nehmen die Großeltern gleich mit oder stürzen sich ohne Oma-Backup ins Vergnügen. Sie tragen Kleidung, die sie zwischen Tür und Angel übergeworfen haben. Als wir uns am Flughafen treffen, plaudern die Väter mit uns “Unbekinderten”. Die Mütter sind so in Beschlag genommen, dass sie die anderen Erwachsenen kaum richtig begrüßen können (find ich furchtbar, erlebe es aber jedes Mal wieder).

Wir: Handgepäck. Darin Dinge wie Lippenstift, hohe Hacken und Buch. Und: Eine Clutch!
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Akt 1 – die Trauung

Die Anderen: Okay, für eine halbe Stunde bin ich tief beeindruckt. OMG! Wie aus Zucker gemacht wirken diese herausgeputzten Minis in ihren Tüllkleidchen und weißen Poloshirts! Bin ich auf einer Mafiosi-Hochzeit in Corleone? So sauber, so gekämmt, so süße Grübchen – hey, wo ist der Ralph-Lauren-Werbefotograf?

Dann, von Ohhs und Ahhs untermalt, die Ankunft einer wunderschönen, jungen Mutter – Kleinkind an der Hand, 8-Wochen-Baby auf der Schulter, zarte Seidencrèpe über’m hormonell gedopten Dekolleté und auf der eleganten Hochsteckfrisur ein…Fascinator! Wow, so klasse! (Für alle, die jetzt nicht googlen wollen: Das ist so ein mondänes Flatterdings für auf den Kopf, statt Hut. Kennt man als Gala-Leser von royalen Events und aus ‘Downton Abbey’)

Also wie gesagt, etwa 30 Minuten kommen wir uns vor wie die unfähigsten, faulsten, egoistischsten Rabeneltern unter Gottes bambini-freundlicher Sonne. Dann beginnt die Trauungszeremonie, das 8-Wochen-Mini spuckt auf die Seidencrèpe – und das ist nur der Startschuss…

Wir: Sitzen still in der Kirche. Bekommen in Gänze mit, was gesagt wird. Ich erlebe sogar einen Moment der Stille. Danach: Champagner und angeregte Gespräche unter Erwachsenen. Top.

Akt 2 – die Party

Die Anderen: Alles, was einem auf einer Beachparty unter südlicher Sonne richtig Spaß machen könnte, erlebt man als Frau mit Wickelkind wie hinter Glas (und, ja, auch trotz ‘professioneller Kinderbetreuung’):
– Essen? Sicher, mit Mini samt Ruderärmchen auf dem Schoß.
– Trinken? Wasser ohne Kohlensäure.
– Sich unterhalten? Ehm, klar, auf jeden Fall…muss nur schnell…halt mal eben…sorry, was hast Du noch mal gesagt?
– Tanzen? Jau! Aber mit 15-kilo-Mehlsäckchen als Schlepping Queen und nie dort, wo es für einen Erwachsenen laut genug ist.
– Flirten? Muhahahahaaa! Dass eine Frau mit Kind auf dem Arm jemals von einem Mann wahrgenommen wird, ist eine dreiste Hollywood-Lüge. Ich schätze, noch nicht einmal Giselle Bündchen wird angeflirtet, wenn sie mit Baby unterwegs ist.
– Romantik? Zum Beispiel beim Strandspaziergang mit dem Partner? Pfifft, are you kiddin’?! Nach dem ganzen Gezanke um die Höllen-Orga der letzten 24 Stunden?
Die Nacht durchmachen? Na klar. In der Hotelzimmer-Zelle mit dem überreiztem Nachwuchs.

Wir: …tun all das, einem auf einer Beachparty unter südlicher Sonne richtig Spaß machen kann. :-)

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Akt 3 – der Brunch

Wir: Sieben. Stunden. Tiefer. Ungestörter. Schlaf.

Die Anderen: Der Morgen danach. Auf zum nächsten Programmpunkt: Brunch auf einer Finca mit Pool. Will heißen: Kaum drei Stunden geschlafen und jetzt alle wieder aufrödeln zum “entspannten, gemeinsamen Ausklang” des Events. Drei fette Lügen schon in dieser kurzen Passage:
a) entspannt. (Der Pool ist natürlich ungesichert)
b) gemeinsam. Ein Witz! Sobald es mit Minis schwierig wird, schauen alle anderen gepflegt weg…
c) Ausklang. Als ob das Elend mit dem Brunch schon zuende wäre! Denn jetzt, last not least, kommt…

Akt 4 – der Rückflug

Die Anderen: Augenringe. Wirres Haar statt Fascinator. Hunger. Pipi. Langweilig. Kleinkind einfangen. Anzicken. Überforderung. Windel voll. Druckausgleich. Ohren zu. Gebrüll. Brust raus. Guckt einer? Stillen. Alles auf drei Sitzen der Economy Class. In der Reihe dahinter den Jungesellenabschied mit Restalkohol, ein paar klugscheißende Senioren in der Reihe davor. Und noch endlose 103 Flugminuten to go.

Wir: Ehm. Wir haben fast den gesamten Flug aneinandergekuschelt verschlafen (…und fühlten uns ob unseres Glückes ein wenig schuldig, liebe Fascinator-Familie)

Aber keine Sorge, der liebe Gott ist gerecht: Nächstes Mal sind wir wieder dran. :-)

Wie seht Ihr das? Was sind Eure Erfahrungen mit kleinen Leuten auf großen Events? Schreibt mir oder kommentiert hier unten, ich freu mich auf eine rege Diskussion! Oder Tipps! 
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2 Comments

  1. Jepp. Auch schon beide Seiten haben wir erlebt. ist das Fest so angelegt, dass ganz klar Kinder dabei sind, ist alles super. Vor allem wenn die Mehrzahl der Leute Kinder hat und auch mitbringt. Idealer weise haben die Gastgeber selbst Kinder. Hängt natürlich auch vom Alter der Kinder ab. Ich finde ab 2 Jahren wird es viel leichter. Ansonsten….selbst wenn ich die Kinder zur Übernachtung abgebe…ich erscheine leider immer noch tendenziell eher leicht derangiert, als aus dem Ei gepellt auf solchen Feiern. ich habe einfach keine Zeit mehr mir tagelang im Voraus Gedanken um meine Garderobe zu machen und auch keine Zeit mir ewig die Haare vorher zu legen. Am ehesten gelingt mir noch das Make-Up. 😀
    ABER, wir waren diesen Sommer noch auf einer Scheunenhochzeit mit Kindern und trotz Regen, war es die schönste Hochzeit, die ich bisher erlebt habe!
    Liegt vielleicht auch daran, dass ich eher die Scheune mag, statt Nobelschuppen.

    • “Ansonsten….selbst wenn ich die Kinder zur Übernachtung abgebe…ich erscheine leider immer noch tendenziell eher leicht derangiert, als aus dem Ei gepellt auf solchen Feiern.” – Stimme Dir uneingeschränkt zu! Geht mir genauso (…deshalb auch meine tiefe Verbeugung vor dem Stilwillen der Fascinator-Mama). Man sollte den armen Kindern auch nicht alles in die Schuhe schieben. :-)

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