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Hips don’t lie: Tanzen als Fortysomething – eine Typologie

Weil ich hier darüber lese: Meine Kinder finden es nicht peinlich, wenn ich tanze. Gut, die sind so klein, dass sie mich eh’ noch für die “Queen of Cool” halten.

Vielleicht ahnen sie aber auch, dass mich nichts – gar nichts – vom Tanzen abhalten kann. Ob mit 14, 24, 34 oder jetzt eben 44: Seit ich in der Teeniedisco das erste Mal zur extended version von “Relax” ins Nirvana hopste, direkt vor der Nebelmaschine – seitdem tanze ich ohne nennenswerte Unterbrechung.

Auch runde Geburtstage, erste graue Haare, die Hochzeit mit einem “schlafenden Vulkan” (dazu mehr weiter unten), das Verlassen der Großstadt und das Auftauchen dreier Kinder haben daran nichts geändert.

Ich tanze. Nicht mehr jede Woche, aber 1x pro Quartal bestimmt. Und ich beobachte (ogott, seit 30 Jahren) meine Altersgenossen auf der Tanzfläche. Jetzt habe ich das, was ich da so sehe, mal für Euch aufgeschrieben.

Pünktlich zu Karneval kommt hier meine Typologie der Ü40-Tänzer (darunter können auch Ü50er sein) Frauen und Männer. Voller Liebe. Und bitte: Tanzt weiter!

Denn wie es hier so schön heißt:
Your disco needs you!


FRAUEN…

Die Rudeltänzerin
Dann tanzen, wenn die Lust da ist? Womöglich alleine? Undenkbar! Diese Frauen stürmen zwar oft als erste die Tanzfläche und fungieren netterweise als Eisbrecher. Aber das tun sie nur im Schwarm.

Konsens ist alles für Rudeltänzerinnen und der “wisdom of the crowd” entscheidet, wozu getanzt wird (eher zahmes Zeug), wie getanzt wird (in Kreisformation) und wann das Grüppchen geschlossen die Damentoilette aufsucht.

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Das Duracell-Häschen
Jupp, das bin wohl ich. :-) Das Tanzmariechen der Clique, dem man früher nur alle 10-15 Lieder eine Cola auf die Tanzfläche reichen musste.

Es gibt bei der Ausprägung dieses Typs trotzdem graduelle Unterschiede: Zum Beispiel schaff’ ich es seit einiger Zeit nur noch selten, zu richtig mieser Musik zu tanzen.

Aber es gibt Duracell-Hasen, die sind so desperate, dass sie sogar zu “Come on Eileen” tanzen. Die nehmen alles. Oder, wie mein Lästergatte sagen würde: “Den größten Mist der 80er, 90er – und das Schlechteste von heute.”

Die Ethno-Zentrikerin
…ist ganz einfach zu beschreiben: “Shakira, Shakira“. Sobald die ersten Bongos einsetzen und der Sound Richtung Stammestanz driftet, wackelt sie los…

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Die Allzweckwaffe

“Wow, Du bist aber gut zu führen!”, hört diese Frau des öfteren. Seinerzeit Absolventin des Gold-Star-Kurses der örtlichen Tanzschule schafft sie Unmögliches: Dreifacher Rittberger mit einem notorischen Zehen-Treter? Lächelt sie ladylike weg. Ein verhinderter Astronautentrainer kreiselt sie mit Warp-Geschwindigkeit um die eigene Achse? Die Allzweckwaffe bewahrt Fassung, und die Frisur sitzt. Ihr Partner steht auf Gliedmaßen-Origami und getanzte Differentialgleichungen? No probs, die Allzweckwaffe verliert nie den Logarithmus. Okay okay, Ich bin neidisch….

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Die Deserteurin
Was ist passiert? Hat sie ihre Tanzschuhe gegen einen Ehering  eingetauscht – oder ein Baby? Lebt sie mit einem Eckensteher (s.u.) zusammen und hat resigniert?

Ich kenne Frauen, die haben früher getanzt, als gäb’s kein Morgen. Und dann geben die das Tanzen auf. Einfach so. Als wäre es ein überwundenes Laster der Jugend – so wie Rauchen, Rumknutschen und die Uni schwänzen. Jetzt hocken sie meist neben dem Eckensteher und führen “gute Gespräche”. Sehr traurig.

Das Go-Go-Girl
Wenn sie nicht grad im Partykeller von Kleinkleckersdorf Pulsrasen verursacht, trainiert sie Stripperinnen in Las Vegas an der Pole-Stange. Das Go-Go-Girl nimmt das Bonmot vom Tanz als “vertikaler Ausdruck eines horizontalen Verlangens” ernst. Sehr ernst.

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Und wehe, das Go-Go-Girl trifft auf seinen männlichen Gegenpart, den “Rüden” (siehe unten). Dann hilft nur eins: Sofort die Musik wechseln – am besten zu AC/DC. Denn dann schlägt die große Stunde der…

…MÄNNER! 

Das glühende Alteisen

Zu den ersten Schlägen von “hells bells” wuchtet sich das Alteisen auf die Tanzfläche – Flaschenbier in der Hand, Haare im Gesicht. Und dort bleibt es dann breitbeinig stehen und nickt vor sich hin.

Frag’ ein Alteisen, es wird dir bestätigen: Tanzbare Musik ist was für Schwuchteln. Echte Musik für echte Männer ist harte Arbeit – ein highway to hell, gepflastert mit blood, tears, poison in den vain und pain im brain. Aber das alles erträgt dieser Typus mit stiff upper lip und wehendem Haar. Und irgendwann geht das Geschrammel und Gejaule ja auch wieder aus – justice for all.

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Der Discofoxi
Tanzen, das ist für diesen wertkonservativen Herrn das, was er bei den Festen im Schützenzelt seines Heimatkaffs gelernt hat: Discofox. Und dieser Tanz begleitet ihn – wie sein flaschengrünes Polohemd – auf alle Dancefloors.

Was passt zu Reggae beim Openair? Discofox. Zu 50-cent-Hiphop? Discofox. Zu Techno im Berghain? Discofox geht immer!

Der Ausdruckstänzer

Er ist so ein Loser, das lebende Klischee, stets belächelt. Aber mit zunehmender Lebenserfahrung muss ich sagen: Ich mag ihn, diesen Paradiesvogel auf der Tanzfläche. Weil er so schön jeck ist und sich was traut. Und weil Frauen jenseits der 40 wissen, was sich hinter der Coolness vieler Eckensteher verbirgt – nämlich nix.

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Der Rüde
Für ihn (wie für das Go-Go-Girl) ist Tanzen vor allem Balzritual und er liebt er es, das Objekt seiner Begierde anzutanzen.

Das ist ja an für sich ganz charmant – nur prüft der Rüde selten, ob seine Gunst auch willkommen ist.

Dank Darwin ist man als Frau bei diesem Typus aber sofort raus, sobald eine Jüngere auftaucht – oder eine, die besser bestückt und/oder leichter bekleidet ist. Das Alter hat also auch seine guten Seiten.

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Der Eckensteher

Dieser Anti-Typ hat hier eigentlich nichts zu suchen. Denn ein Eckensteher tanzt halt eben nicht, sondern lehnt irgendwo, an der Tanzfläche, an der Theke, was-weiß-ich, und bringt eine Partynacht auch mit Zugucken irgendwie rum. Gefühlt 89,999 Prozent aller Männer gehören zu dieser Kategorie. Und: Ich prangere das an!

Der schlafende Vulkan
Die halbe Nacht lang rührt er sich nicht. Würde man ihn nicht kennen, man könnte ihn für einen öden Eckensteher halten. Doch so ab etwa eins in der Früh, nach einem halben Dutzend Drinks, beginnt es in dem  schlafenden Vulkan auf einmal zu brodeln. Dann, urplötzlich, drängt es ihn auf die Tanzfläche und….

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Das Einhorn
Somewhere over the rainbow, da lebt es, das Einhorn unter den tanzenden Männern (danke an dieser Stelle für die Inspiration). Es ist sexy, schlau, lustig und hetero. Und: Es kann besser tanzen als John Travolta, Patrick Swayze und Ryan Gosling zusammen.

Gebt mir Bescheid, falls ihr es sichtet…:-)

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Jetzt seid Ihr dran! “Dürfen 50-jährige Dreifach-Mütter denn nicht mehr tanzen?” fragt die wunderbare Susanne Ackstaller bei Texterella. Diese Frage gebe ich gerne an Euch weiter.

Wie seht Ihr das, tanzt ihr auch noch gern? Oder hat sich das irgendwann verloren? Vermisst ihr es? Schreibt mir oder kommentiert, ich bin gespannt auf Eure Meinung!   

One Comment

  1. Hahaha was für ein super Beitrag mit mega witzigen Bildern!! :)

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