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Mamis treuester Follower: 12 Tipps für den Alltag mit einem Klammeräffchen

Kindliche Trennungsangst ist normal und nur selten Ausdruck tiefgehender Not. Sie flankiert die Meilensteine kindlicher Entwicklung und wenn das Kind eine Angstphase überstanden hat, verwandelt es sich meist wie durch ein Wunder in ein gereiftes, ‘größeres’ Kind.
Letztendlich hopsen auch die klebrigsten Mamakinder irgendwann zu Freunden in einen Fiat Punto und brausen ohne Abschiedsgruß ins Wochenende.

Ich weiß das alles. Aber es hilft nicht viel. Denn bis zu diesem Fiat-Punto-Moment wird es noch ELEND LANGE dauern! (ja, liebe Floskeltanten, ich werd’ mir die Klammeräffchenzeit noch zurückwünschen, denn sie-werden-ja-so-schnell-gross. Geschenkt.).

Ich habe drei Kinder in engem Altersabstand, die seit sieben Jahren alle nacheinander (oder auch gleichzeitig) immer wieder durch Phasen akuter Trennungsangst gehen. Wie halte ich das durch? Wie bleibe ich gelassen, wenn man mir die Mama-weg-Panik stereo ins Ohr brüllt, mir Kinderarme die Luft abschnüren, der Sekundenzeiger tickt und mein rechter Arm vom Kindrumschleppen schon fast bis zum Boden reicht?

Aus dem Ratgeberlager kommt natürlich nur generisches Blabla und Tipps, wie man dem Kind mit seiner Trennungsangst hilft. An uns Mütter denkt wieder kein Schwein *mimimi*. Daher hier mal ganz konkret – DAS hilft mir bei schlimmer Klettitis, vielleicht Euch ja auch:

Kindliche Trennungsangst – das hilft der Mama:

  1. Akzeptieren ist ein Anfang. Sich nur auf “Ich bin ok, Du bist ok” zu verlassen, wäre mir persönlich zu wenig, aber es hilft, die Situation zu entstressen. Also: Das Kind ist ok in seiner Panik, die eigenen Gefühle (Stress, Sorge, Schuldgefühle, Genervtsein) aber auch.
  2. Küchenpsychologie eindämmen. Nein, Klein-Ole hat keinen Mamakomplex, nur weil er zum Start in jeden Kita-Tag Rotz und Wasser heult. Und nein, da hat seine Mama auch nix befördert, versäumt, verzogen oder sonstwie falsch gemacht. Klein-Ole ist jetzt gerade einfach so. Und das ist (siehe 1.) völlig ok.
  3. Scheißegal-Haltung kultivieren. Die Mutter von Henriette guckt mitleidig? Egal. Die Kindergärtnerin runzelt die Stirn? Egal. Die Schwiegermutter lässt eine Bemerkung sickern? Scheißegal! Wo leben wir denn mit unseren Kindern – auf Instagram? Nein? Dann können uns die Likes und Dislikes der Anderen auch schnuppe sein.
  4. Weitere ‘Lieblingsmenschen’ aufbauen. Systematisch. Und sie auch einsetzen. Nein, Mama ist nicht die Einzige, die ins Bett bringen, schmusen, trösten, verarzten, Fußnägel schneiden kann. Und vielleicht können Papa, Oma, Babysitter eine bestimmte Sache sogar noch besser? Dann ran mit dem Ersatz – und ab durch die Mitte ohne schlechtes Gewissen. Auch und gerade in schwierigen Phasen. Wer viel Fürsorge gibt, braucht viel Selbstfürsorge.
  5. Vorteile entdecken. Hier wird es privat: Seit fünf Jahren habe ich einen Schatten. Er ist hellblond, besteht nur aus Zucker und folgt mir auf Schritt und Tritt. Meine mittlere Tochter ist seit der Geburt ein Mamakind par excellence (bei ihr ist Klammern keine Phase, sondern eine Daseinsform).
    Das zu akzeptieren, war und ist für mich Einzelgängerin eine Riesenherausforderung. Aber jetzt kommt der Vorteil: Weil meine Tochter so ist wie sie ist, kann ich fast jeden Konflikt, jeden Kummer, jedes Genöle binnen Sekunden mit Nähe und Körperkontakt auflösen. Quasi wegschmusen. Mein natural born klettchen ist da ganz unkompliziert: Ein Kuss von Mami – und alles ist wieder gut.
  6. Nicht persönlich nehmen. Einmal wollte ich meiner kleinen Klette was Gutes tun und nahm sie mit auf einen Kurztrip nach Düsseldorf. Nur sie und Mama – mit Hotelübernachtung im Doppelbett! Ich dachte, ich hätte ihr die Welt zu Füßen gelegt. Aber was war? Sie fühlte sich mit mir alleine in der ungewohnten Umgebung irgendwie unwohl. Als sie dann bei der Heimkehr der Restfamilie um den Hals fiel, erkannte ich: Es geht gar nicht um mich, die Mama. MAMA ist nur die Verkörperung des vertrauten Zuhauses – und das ist es, was sie braucht. Ich bin nur ein Symbol. Was eine Erleichterung!

Kindliche Trennungsangst – das hilft dem Kind:

  1. Verlässlich sein. Eigentlich klar: Gebe keine Versprechen, die Du nicht halten kannst. Denn ein Versprechen gegenüber deinem Kind ist absolut bindend. Gerade und besonders in Phasen kindlicher Trennungsangst.
  2. Ernst nehmen. Abschiede tun weh. Das dürfen wir auch nicht kleinreden. (doch schmusen hilft)
  3. Trennungsrituale. “Nur noch einen gaaanz dicken Kuss – dann geh’ ich in die Gruppe, ja?” Jeden Morgen im Kindergarten gebe ich ihn, diesen aller-aller-aller-aller-aller-aller-letzten dicken Kuss. Manchmal klappt das sogar.
  4. Ungleiche Behandlung wagen. Aus oben genannten Gründen bekommt mein Klettenkind mehr körperliche Zuwendung als die Geschwister. So what?! Dafür führe ich mit der Großen viele ‘erwachsene’ Gespräche – und für den Jüngsten mach ich das Fussball-Groupie. Jedes meiner Kinder bekommt, was zu ihm passt und was es einfordert. Klappt super. Nur bei den Gummibärchen-Rationen muss ich weiterhin genau abzählen und nach Farben sortiert verteilen, sonst gibt’s Tote.
  5. Loben. Loben. Loben, wenn eine Trennung ohne Tränen über die Bühne gegangen ist. Auch selbstverständlich, oder?
  6. Keine großen Aktionen, lieber kleine Portionen. Spätestens nach der oben erwähnten Düsseldorfer Pleite habe ich mich vom Konzept der “exklusiven Mamazeit-Großevents” verabschiedet. Das heißt: Ich mache nicht mehr mit einem Kind einzeln Tagesausflüge, sondern nutze eine exklusive Viertelstunde irgendwo mitten im Alltag für 1-on-1 Schmusen, Quatschen, Spielen. Ich tausche mit dem einen Kind geheime Liebesbotschaften aus, die der Rest der Familie nicht kennt. Ich stecke einem anderen Extrastücke Schokolade zu – für außergewöhnlich soziale, bedachte, mutige oder auch saulustige Aktionen. Kurz: Ich halte engen Kontakt, jeden Tag, mit jedem Kind. Das dämpft die Angst.

So, das waren meine Gedanken und Tipps dazu – wie sieht es bei Euch aus? Schreibt mir oder kommentiert, ich freue mich (auch als Mutter einer chronischen Klette) über jede gute Idee!  

Holgi / Pixabay

One Comment

  1. […] Überhaupt, Dein Vater. Was soll der ohne Dich anfangen? Deine Schwester klebt an mir, Dein Bruder klebt an seinem Fussball und was hat Dein Vater zum Kleben? Naja, zur Not bleibt der […]

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