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Zur EM: Embracing My Inner Spielerfrau

Fußball. Ich musste 40 Jahre alt werden, um zu begreifen, wie tief diese Leidenschaft in einem Mann wurzelt. Die Augen geöffnet hat mir mein dreijähriger Sohn. Ich nenne ihn hier im Folgenden “großer Mann”, denn so sieht er sich selbst am liebsten.

Der große Mann misst aktuell 98 cm, wiegt 16 kg und führt ein (hoffentlich) glückliches Jungsleben mit  Mama, Papa, Schwestern, Großeltern, Hundi und Kindergarten. Aber das ist alles mehr oder weniger Beiwerk, denn das Wichtigste für den großen Mann ist: der Ball.

Bei 3 wie 30 Grad nur Fußballtrikot

Der große Mann konnte noch keine fünf Schritte laufen, da schoss er im Garten sein erstes Tor. Seitdem hat er damit nicht mehr aufgehört.

Wenn der große Mann eine Urlaubstasche packen müsste, wäre das binnen Sekunden erledigt: Ball rein, Teddy rein, fertig. Ist er zuhause, ballert er tagein, tagaus, sommers wie winters auf das Leichtmetalltor bei uns im Hof. Er ist stadtbekannt als das Kind, das bei 3 wie 30 Grad ausschließlich Trikot trägt.

Er arbeitet sich gerade erst aus den Windeln, kann aber schon passen, blocken, grätschen, dribbeln und tricksen wie Messi (mütterliche Einschätzung, also per se objektiv).

Gegen den großen Mann hat man überhaupt nur deshalb eine Chance, weil ihn kurz vor dem Tor manchmal noch ein Trotzanfall à la McEnroe packt.

 

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“Mama! Guck!!!”

Alles begann mit diesem ersten Schuss vor anderthalb Jahren. Seitdem seh ich ihm zu und rätsele, was genau es ist, das Geheimnis dieser Liebe.

Ist es die “Bewegung in Vollendung”, wie die Sportfreunde Stiller einmal schrieben? Weil sich dort “Triumph und Trauma so sehr nah” sind? Ist das so ein Steinzeitjäger-Erbe, von wegen “räumliches Sehen”, “bewegliches Objekt” und so? Ist es der Mannschaftsgeist, das you never walk alone? Mir bleibt das fremd.

Doch vor einigen Wochen kam ich der Erkenntnis ein Stückchen näher.

Es war wieder bei uns im Hof. Die Sonne knallte vom Himmel, er schwitzte und kickte und ich saß dekorativ auf einem Stuhl am Rand, reagierte auf “Mama! Guck!!” und beklatschte jeden Torschuss.

Während ich also dort für ihn das Groupie gab, dachte ich an meine eigenen Leidenschaften, an die Dinge, die ich mein ganzes Leben schon gerne tue. Zum Beispiel Lesen.

Und ich erkannte, dass die Leseleidenschaft mich frühestens mit sechs Jahren gepackt haben konnte. Ich war damit fünf Jahre älter als der große Mann, als er dem Ball verfiel. Ist seine Passion dann nicht viel älter, viel stärker verschmolzen mit seiner Seele?

Und angenommen mein kleiner, großer Mann ist einfach nur so wie Millionen andere Männer auf der Welt – wieviel mehr Ball steckt dann in der DNA eines jeden Durchschnittsmannes?

Ich weiß es nicht. Aber es ist vermutlich stärker als mein Ding mir den Büchern.

Kinderfußball im Rhein-Sieg-Kreis

Deshalb werde ich, wohl schon am Ende dieses Sommers, zur soccer mom und zur ersten Spielerfrau meines Sohnes.

Ich beschäftige mich dann nicht mehr nur mit EM, WM, Champions League, Bundesliga und dem Sixpack von Mario Gomez, nein, dann verfolge ich auch noch den Vereins-Kinderfußball im Rhein-Sieg-Kreis. Yeah, Baby!!

Was tut man nicht alles aus Liebe.

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3 Comments

  1. susanne stüber susanne stüber

    Oh ja und ich kenne diesen unglaublichen, genialen jungen Mann. Solche Leidenschaft und Geschicklichkeit und Ausdauer habe ich noch nie erlebt .Und ich halte meinen Schwur. F- ich werde immer Dein Fan sein.

  2. […] Überhaupt, Dein Vater. Was soll der ohne Dich anfangen? Deine Schwester klebt an mir, Dein Bruder klebt an seinem Fussball und was hat Dein Vater zum Kleben? Naja, zur Not bleibt der […]

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